Valve räumt KI-Problem beim Next Fest ein – doch Eingestehen ist kein Lösen
Valve sagt, „eine beträchtliche Zahl von Leuten“ arbeite am KI-Müll beim Next Fest. Doch Steam verkauft Kuratierung, und die Antwort lautet bisher vor allem: Entwickler, helft euch selbst.
KI-generiertes Bild
Kann sich ein Store, der kein Türsteher sein will, noch Schaufenster nennen? Diese Frage muss Valve nun beantworten – nach einem Next Fest, das Spieler und ein guter Teil der Presse als im KI-Müll ertrinkend beschrieben haben.
Was Valve tatsächlich gesagt hat
Beim Steam Indie Connect in Korea beantworteten Valves Marc Wilkinson und Tom Giardino Fragen von Entwicklern. Wie Destructoid berichtet, erklärte Wilkinson, dass das Next Fest die Spiele an den ersten beiden Tagen praktisch zufällig anzeigt und dann auf personalisierte Empfehlungen umschaltet. Sein Satz: „Wir erkennen an, dass dabei auch einige Spiele von geringer Qualität sichtbar werden.“ Er fügte hinzu: „Wir sind uns der Lage voll bewusst, und eine beträchtliche Zahl von Leuten denkt darüber nach, wie sich dieses Problem lösen lässt.“
Die Dimension ist nicht klein. Laut IGN gaben im vergangenen Jahr rund 17 % der Next-Fest-Demos den Einsatz generativer KI an, dieses Jahr dürfte der Anteil höher gewesen sein, und das Event umfasste über 8.000 Demos. Zum Thema Klone sagte Giardino: „Wir wollen keine Türsteher sein, die Entwicklern vorschreiben, welche Werkzeuge sie nutzen sollen oder nicht“, und riet Entwicklern, weiter Funktionen und Persönlichkeit hinzuzufügen.
„Ihr schaut nur auf die ersten zwei Tage“ ist keine Verteidigung
Wilkinsons Argument lautet laut Berichten, die Beschwerden stammten aus dem Zeitfenster der Zufallsanzeige. Technisch mag das stimmen. Aber in diesem Fenster schreibt auch die Presse über das Event und, so vermuten wir, bilden sich viele Spieler ihren ersten Eindruck. Das Event mit dem Verweis auf Tag drei zu verteidigen, ist, als verteidige man ein Restaurant, weil der Nachtisch in Ordnung war.
Die Zufälligkeit hat einen Grund: Laut Valve verhindert sie, dass Entwickler den Algorithmus austricksen. Nachvollziehbar. Aber das ist eine Designentscheidung, und die Kosten trägt das Vertrauen der Spieler. Wenn das Regal an den ersten beiden Tagen wie eine Müllhalde aussieht, hören die Leute auf zu stöbern. Unserer Ansicht nach steht und fällt ein Demo-Festival mit dem Versprechen, dass es sich lohnt, eine zufällige Seite zu öffnen.
Kuratierung ist das Produkt, und „Hände weg“ hat ein Verfallsdatum
Game Developer weist darauf hin, dass sich Valve seit 2018 bei der Kuratierung zurückhält, als es beschloss, alles zuzulassen, außer dem, was als illegal oder „reines Trolling“ galt. Das war sinnvoll in einer Welt handgemachter Massenware. Generative KI verändert die Stückkosten: Schrott zu produzieren ist nun nahezu kostenlos, ihn zu prüfen kostet weiterhin Aufmerksamkeit. Eine neutrale Regel ist unter diesen Bedingungen nicht neutral; sie begünstigt stillschweigend jeden, der den Store fluten kann.
Fairerweise hat Giardinos Haltung einen vertretbaren Kern. Werkzeuge zu verbieten ist ein grobes Mittel, und Steam verlangt bereits eine KI-Kennzeichnung. Doch eine Kennzeichnung ist ein Etikett, kein Filter. Berichten zufolge wünschten sich Spieler eine Möglichkeit, KI-Spiele auszublenden, und nichts in Valves Äußerungen deutet darauf hin, dass sie kommt. Nach Kennzeichnung zu filtern, aufwandsarme Einreichungen im Zufallspool zu drosseln oder Demos nach einem Qualitätssignal zu gewichten, würde den „Zugang für Entwickler“ nicht „einschränken“. Es wäre genau die „intelligentere und dynamischere Plattform“, die laut Giardino der Ausgangspunkt von Valves Philosophie ist. Wir würden diese Philosophie gern zuerst beim Festival angewandt sehen.
Die Last landet bei den Falschen
Der schwächste Teil der Sitzung in Korea war der Rat an die Opfer von Klonen. Kotaku argumentiert, „kontinuierliche Verbesserung“ sei ein Luxus für Entwickler, die bereits Geld auf dem Konto haben, und wir meinen, damit hat das Medium recht. Einige Indie-Studios sollen Erpressungs-Mails erhalten, die mit KI-Klonen drohen. Giardino sagte, davon höre er zum ersten Mal, und meinte, das sei eine Sache für die Strafverfolgung. Schön und gut, doch eine Plattform, die an Indies verdient, sollte nicht überrascht klingen.
Fazit
Anerkennung, wem sie gebührt: „Wir sind uns dessen bewusst“ ist besser als Schweigen, und dass „eine beträchtliche Zahl von Leuten“ daran arbeitet, ist immerhin ein Versprechen. Aber eben nur ein Versprechen. Unsere Empfehlung an Valve ist simpel: Etwas Sichtbares liefern, bevor das nächste Next Fest startet – sei es ein KI-Filter, eine Qualitätsschranke im Zufallspool oder etwas, woran wir nicht gedacht haben. An die Spieler: Wunschlisten nutzen und bis Tag drei warten. An die Entwickler: Nicht darauf verlassen, dass das Regal sie schützt. Dieser letzte Punkt ist das eigentliche Problem.
Noch keine Themen: Eröffne das erste.
Weitere Artikel
Valve rät Indies, weniger kopierbar zu sein – das ist verkehrt
Entwickler sollen ihre Spiele gegen KI-Klone absichern? Das verlagert die Last auf die Opfer. Steam sollte Nachahmer verfolgen, statt kreative Ratschläge zu verteilen.
Sweeneys Steam-Feldzug ist in Wahrheit Werbung für Epics eigenen Walled Garden
Tim Sweeney behauptet, Valve bremse die Gaming-Branche seit Jahren. Je lauter er wird, desto mehr klingt sein Argument nach Verkaufspräsentation für Epics Ökosystem, nicht nach neutraler Diagnose.
Valves HLX-Versprecher ist kein Leak: Schweigen ist die billigste Hype-Maschine
Drei Buchstaben in einem Audio-Panel haben das Netz erneut in Aufruhr versetzt. Fans sollten Valves Pannen nicht mehr entschlüsseln, sondern eine echte Ankündigung fordern.
Steams Personal Calendar ist eine gute Idee – mit einem Haken für Indie-Entwickler
Valve nimmt den Kalender aus Steam Labs und macht ihn dauerhaft. Er könnte die Flut an Neuerscheinungen zähmen, macht aber Wunschlisten und ähnliche Spieler zu Torwächtern der Aufmerksamkeit.



