Ein Untertitel gleicht die jahrelange Funkstille bei Elder Scrolls 6 nicht aus
Elder Scrolls 6 soll Sentinel heißen und endlich einen Namen bekommen – doch ein Name ist noch kein Spiel. Bis Bethesda echtes Gameplay zeigt, ist Skepsis die gesunde Grundhaltung.
Foto: Bethesda Game Studios / Wikimedia Commons (Public domain)
Wie viele Jahre Schweigen kann ein einzelnes Wort erkaufen? Laut einem neuen Bericht wird Bethesda das bald herausfinden. The Elder Scrolls VI hat womöglich endlich einen Untertitel, und das Internet reagiert, als wäre es ein Trailer. Das ist es nicht, und wir meinen, die Aufregung sagt mehr über den Hunger der Fans aus als darüber, wie weit das Spiel ist.
Was berichtet wurde und was nicht
Wie Push Square zusammenfasst, sagt Tom Warren von The Verge unter Berufung auf Quellen, die mit Bethesdas Plänen vertraut sind, der offizielle Titel des Spiels laute The Elder Scrolls VI: Sentinel, und er könnte schon im November angekündigt werden, rund um den 15. Jahrestag von Skyrim. Warren erwartet demnach den Namen und „nichts weiter“. Bethesda hat nichts davon bestätigt; es handelt sich also um einen Bericht, nicht um eine Ankündigung.
Dem Bericht zufolge spielt das Spiel in Hammerfell und widmet sich der Geschichte der Elder Scrolls selbst, jener geheimnisvollen uralten Artefakte. Das klingt plausibel und lädt zum Spekulieren ein. Es passt auch zu den Fan-Theorien, die entstanden, nachdem Xbox-CEO Asha Sharma nach einer internen Spielsitzung einen Titel mit acht Buchstaben angedeutet hatte. Ein Name, den die Fans erraten haben, nun durch einen Bericht gestützt, gefolgt von einer Enthüllung, die nur den Namen zeigt: ein geschlossener Kreis ohne neue Informationen.
Ein Name ist das Billigste, was man zeigen kann
Einem Spiel einen Namen zu geben kostet nichts. Es zu zeigen kostet etwas, denn Gameplay kann enttäuschen. Deshalb halten wir den Plan „nur der Name“ für aufschlussreicher als den Namen selbst. Bethesda hat dieses Spiel auf der E3 2018 angekündigt, und nach Zählung von Push Square wurde seither nichts davon gezeigt. Die jüngste öffentliche Aussage im Juli lautete, man sei „da, wo wir sein wollten, begeistert davon, wie es aussieht, und spiele es jeden Tag“. Das ist Beruhigung, kein Beleg.
Die Belege, die wir haben, sind unterdessen allesamt aus zweiter Hand und voll des Lobes. Sharma nannte Umfang und Größe nach einer Live-Spielsitzung „unglaublich“. Natürlich sagt das eine Führungskraft. Von außerhalb des Hauses kann es niemand überprüfen. Und Kotaku weist darauf hin, dass Bethesda-Entwickler im Juli die Sorge äußerten, die Massenentlassungen bei Xbox könnten die Entwicklung des Spiels und die Stimmung im Team „erheblich und in einer Kettenreaktion“ beeinträchtigen. Man stelle beides nebeneinander: geschliffenes Lob von oben, Sorge von der Basis. Dem Zweiten würden wir mehr Gewicht geben, bis wir etwas Lauffähiges sehen.
Der Zeitpunkt ist ein Wagnis, und die Plattformfrage ist die eigentliche Geschichte
Fällt die Enthüllung in den November, teilt sie sich den Monat mit Grand Theft Auto VI, das laut GamesRadar am 19. November erscheinen soll. Eine Titeleinblendung konkurriert nicht mit einem Release, das stimmt. Aber sie kann ein kluger Weg sein, im Gespräch zu bleiben, ohne zu riskieren, dass eine Gameplay-Präsentation untergeht. Oder es ist eine verpasste Chance: Warum den Skyrim-Jahrestag für ein einziges Wort nutzen?
Was wir eigentlich beantwortet sehen wollen, ist größer. Push Square merkt an, dass Xbox Spieler zuletzt zu einem exklusiven Elder Scrolls VI befragt hat, und Todd Howard sagte im Juli, es sei zu früh, über Plattformen zu sprechen. Eine Titelenthüllung, die Plattformen, Termin und Gameplay ausspart, lässt alle wirklich wichtigen Fragen offen. Wccftech spekuliert, das Spiel könne noch ein paar Jahre entfernt sein, aber das ist eine Vermutung, keine Roadmap.
Was man damit anfangen sollte
Man darf die Spekulation genießen, sollte aber nicht darauf bauen. Sentinel ist ein passender Name für ein Spiel in Hammerfell, und eine Geschichte über die Elder Scrolls selbst ist ein reizvoller Aufhänger. Beides sagt uns nicht, ob die Quests gut sind, ob die Welt auf einen reagiert oder ob das Studio den Nachfolger eines Spiels liefern kann, das laut Bethesdas eigener Mitteilung vom Juli über 65 Millionen Mal verkauft wurde.
Unser Urteil: Kommt der Name im November, sollte man ihn einen Tag lang feiern und dann das Einzige einfordern, was zählt. Zeigt uns das Spiel. Fünfzehn Jahre nach Skyrim und mehr als acht nach der Ankündigung hat sich Bethesda unsere Geduld verdient, nicht unser blindes Vertrauen. Solange es kein Bildmaterial gibt, ist die richtige Haltung hoffnungsvoll und unüberzeugt.
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