Xbox
Gamersfera-Redaktion
Xbox

Xbox-Rivale TikTok? So begräbt man Exklusivspiele

Matt Booty sagt, Xbox' größte Konkurrenz seien TikTok und Filme, nicht PlayStation. Das ist das klarste Zeichen, dass Exklusivspiele für Xbox vorbei sind – und die Identität der Marke offen bleibt.

Veröffentlicht
26. Oktober 2026
Lesezeit
3 min
Kategorien
Xbox

Foto: Xbox Game Studios / Steam (uso editorial)

Wenn der Chef der Xbox-Studios sagt, der größte Rivale sei TikTok, kann man das als kühne Zukunftsvision lesen. Wir lesen es schlichter: als höfliche Art zu sagen, dass der Konsolenkrieg vorbei ist und Xbox ihn nicht mehr führen wird.

Zum Kontext: Im Oktober 2025 sprach Matt Booty, Präsident für Xbox-Spielinhalte und -Studios, mit der New York Times – genau als Halo: Campaign Evolved für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC mit Erscheinungstermin 2026 angekündigt wurde. Laut VGC sagte er: „Unsere größte Konkurrenz ist nicht eine andere Konsole … Wir konkurrieren zunehmend mit allem, von TikTok bis zu Filmen.“ Sein Argument: Konsumenten haben keine starke Bindung mehr an die Geräte, auf denen sie spielen.

Der TikTok-Satz ist eine Rechtfertigung, keine Strategie

Die Idee „Wir konkurrieren um Zeit“ ist nicht neu. Kotaku weist darauf hin, dass Reggie Fils-Aime vor Jahren etwas sehr Ähnliches gesagt hat. Der Unterschied liegt darin, was Nintendo daraus gemacht hat: Das Unternehmen setzte noch stärker auf exklusive Spiele und eigene Hardware. Booty zieht aus derselben Prämisse den gegenteiligen Schluss.

Hier wird das Argument unserer Meinung nach brüchig. Wenn der Feind das Smartphone in der Hosentasche ist, wie hilft dann ein Remake eines 25 Jahre alten Shooters auf der PS5, Menschen davon wegzulocken? Kotaku stellt dieselbe Frage. Wir verstehen die TikTok-Erzählung als die gefälligere Geschichte im Vergleich zu der, die darunterliegt. Kotaku verweist darauf, dass laut Bloomberg Microsofts Vorgabe deutlich höherer Gewinnmargen bei Xbox der Haupttreiber des Multiplattform-Kurses ist. Halo an PlayStation-Besitzer zu verkaufen, ist unter dieser Vorgabe schlicht gutes Geschäft. Das ist nachvollziehbar, aber etwas anderes als „die Spieler dort abholen, wo sie sind“.

Die Zahlen stützen den Schritt – und das ist der unbequeme Teil

Das gestehen wir Microsoft zu: Die Strategie funktioniert nach ihren eigenen Maßstäben. Zwischen April und Juli stammten sechs der zehn meistverkauften Spiele auf PlayStation von Microsoft, darunter Forza Horizon 5, knapp vier Jahre nach dem ursprünglichen Release. Der Analyst Joost van Dreunen, zitiert von ItemLevel, beziffert die Series X|S auf rund 32 Millionen Geräte gegenüber geschätzten 80 Millionen PS5. Mit dem Verkauf von Hardware zu gewinnen, hat nicht funktioniert.

Die Entscheidung ist also leicht zu verteidigen. Für Spieler ist sie eine gute Nachricht: Mehr Menschen können Halo, Gears of War: Reloaded und Forza spielen, ohne eine zweite Konsole zu kaufen. Das ist ein echter Gewinn an Auswahl, und wer Exklusivität noch als Tugend an sich verteidigt, sollte sagen, wer davon profitiert.

Allerdings gibt es nichts umsonst. TheGamer merkt an, dass Nintendo und PlayStation weiterhin Exklusivspiele verkaufen und keinen Absatzrückgang wie Xbox erlebt haben. Exklusivspiele mögen für Xbox tot sein, ohne für die Branche tot zu sein. Das ist ein wichtiger Unterschied, den Bootys Formulierung stillschweigend verwischt.

Offen bleibt, wofür eine Xbox gut ist

Wenn jedes Spiel überall erscheint, was verkauft dann die Box unter dem Fernseher? Xbox' bisherige Antwort ist der Slogan „Alles ist eine Xbox“, dazu Game Pass, dessen Ultimate-Tarif 2025 um 50 % teurer wurde, sowie Konsolen, deren Preise im selben Jahr laut VGC doppelt so stark stiegen. Sarah Bond hat zudem eine „sehr hochwertige, sehr leistungsstarke“ Xbox der nächsten Generation versprochen, für die laut Kotaku offenbar Spiele auch überall sonst erhältlich sein werden. Rechnet man die ROG Xbox Ally X für 1.000 $ (rund 950 €) dazu, lautet das Angebot: mehr zahlen für Hardware, deren Spiele man auch anderswo spielen könnte.

Das könnte als Luxusprodukt nach Art eines PCs funktionieren. Es könnte aber auch eine Marke sein, die zu einem Publisher mit Hardware-Hobby wird – genau die Befürchtung, die TheGamer unter Fans schildert. Wir denken, dass Microsoft mit diesem Ergebnis wahrscheinlich gut leben kann, und die Entlassungen von fast 9.000 Menschen sowie Absagen wie Perfect Dark deuten darauf hin, dass erst die Finanzen und dann die Identität zählen.

Fazit

Booty sagt es nie direkt, aber wir verstehen seine Worte als Bestätigung, dass Exklusivspiele als Xbox-Strategie erledigt sind. Genießen Sie den breiteren Zugang, denn er ist real. Verwechseln Sie aber keine Kosten- und Margenentscheidung mit einer Vision über TikTok. Solange Xbox nicht in einem Satz erklären kann, warum man sich für seine Plattform statt für eine andere entscheiden sollte, bleibt „Wir sind überall“ eine Antwort darauf, wo Xbox ist – nicht darauf, was es ist.

Diskussionsthemen

Noch keine Themen: Eröffne das erste.

Weitere Artikel