Ubisofts Remake-Pause zeigt: Nostalgie ist keine Strategie
Black Flag Resynced erreichte sein Jahresziel in zwei Wochen, doch laut Ubisoft sind keine weiteren AC-Remakes in Entwicklung. Gut so: Repariert werden müssen die neuen Spiele.
Foto: Ubisoft / Steam (uso editorial)
Was macht man, wenn sich das eigene Remake bestens verkauft? Wenn man Ubisoft ist, sagt man offenbar allen, dass kein weiteres kommt. Das klingt absurd, und wir halten es für das Vernünftigste, was das Unternehmen seit Jahren zu Assassin's Creed gesagt hat.
In seinem Herbst-Update 2026 war Jean Guesdon, der die Inhalte der Reihe verantwortet, unmissverständlich. Wie Gamekult berichtet, erreichte Black Flag Resynced sein jährliches Umsatzziel in nur zwei Wochen, und dennoch befindet sich derzeit kein weiteres AC-Remake in Entwicklung. Die Teams arbeiten bereits am nächsten Kapitel der Serie, darunter an Projekten, von denen noch niemand gehört hat, mit neuen Schauplätzen und neuen Geschichten. Ubisoft betont, die Tür nicht zuzuschlagen. Derweil erhält Valhalla am 5. November ein New Game Plus, und zu Codename Hexe gibt es nur das Versprechen echter Neuigkeiten im Jahr 2027.
Nostalgie ist ein Schub, kein Fahrplan
Die naheliegende Lesart lautet, Ubisoft lasse Geld liegen. Wir sehen es umgekehrt. Ein Remake ist ein großartiges Mittel, um Menschen daran zu erinnern, warum sie eine Reihe geliebt haben. Es ist ein miserables Mittel, um zu beweisen, dass die Reihe noch etwas zu sagen hat. Ubisofts eigene Umfrage unter Spielern wünschte sich laut Numerama drei Dinge: die Identität der Serie bewahren, eine mit ihrem Universum stimmigere Geschichte und einen regelmäßigeren Austausch mit den Teams. Keines davon lautet „Macht die alten Spiele noch einmal“. Zwei der drei betreffen das, was als Nächstes kommt.
Außerdem steckt in der Logik des Hits eine Falle. Funktioniert ein Remake, ist die Versuchung groß, das Rezept so lange zu wiederholen, bis das Publikum es leid ist. Indem Ubisoft keinen Nachfolger bestätigt, obwohl laut Gamekult alle auf ein Remake des zweiten Teils warten, vermeidet es, aus einem starken Release eine Krücke zu machen. Wahrscheinlich ist es auch das Eingeständnis, dass die Projektplanung gar nicht um Remakes herum aufgebaut war.
Das Schweigen zu Hexe ist die eigentliche Nachricht
Hier würden wir aufhören zu applaudieren. Hexe wurde im September 2022 angekündigt. Laut Gamekult verläuft die Entwicklung seit der Neuorganisation turbulent: Erst ging der Creative Director, dann der Director, und rund 50 Produktionsstellen sollen gestrichen worden sein. Einem Gerücht zufolge, und wir betonen, dass es nur ein Gerücht ist, will Guesdon den Fantasy-Anteil zurückfahren. Ubisofts offizielle Linie lautet, wie Screen Rant vermerkt, „stetiger Fortschritt“ mit „noch viel Arbeit vor uns“. Unseres Erachtens ist das die Sprache eines Projekts, das noch nicht beurteilt werden kann.
Dann ist da noch Invictus. Ubisoft sagt, private Tester hätten das Parkour und die Vertikalität geliebt, aber mehr von den prägenden Säulen von Assassin's Creed sehen wollen, und das Team habe monatelang nachjustiert. Das ist eine gesunde Reaktion auf Feedback. Es erinnert aber auch daran, dass sich der Multiplayer-Ableger in dieser Phase nicht genug nach Assassin's Creed anfühlte, und diese Identität hätte unseres Erachtens der Ausgangspunkt sein müssen, kein nachträglicher Flicken.
Valhallas NG+ ist der günstige, ehrliche Zug
Das New Game Plus für Valhalla mit Erfolgen, Runen, Ausrüstung in göttlicher Qualität und einem Versteck-System ist die richtige Art von Nostalgie: Es bedient Spieler, die bereits dabei sind, bei einem Spiel, das laut Ubisoft mehr als 40 Millionen Spieler hat, wie Gamingroute berichtet. Es dürfte weit weniger kosten als ein Remake und hält ein sechs Jahre altes Spiel am Leben, ohne so zu tun, als wäre es ein Fahrplan.
Der Schatten über alldem sind die Menschen. Gamekult weist darauf hin, dass dem Barceloner Team von Resynced vor dem Release mitgeteilt wurde, 51 Stellen fielen weg, und dass vor zwei Wochen bei Ubisoft Singapur, dem Studio, das das Spiel entwickelt hat, 70 Stellen gestrichen wurden. Gamekult merkt an, die Betroffenen könnten an Skull and Bones gearbeitet haben, doch ein Unternehmen, das Stellen in dem Studio abbaut, das hinter seinem größten jüngeren Hit steht, kann die Remake-Pause kaum als reine Selektivität darstellen. Man sollte sie nicht nur als kreative Aussage lesen; es ist auch ein Unternehmen im Überlebensmodus.
Unser Fazit
Die Pause ist richtig, sofern Ubisoft die gewonnene Zeit als Schuld begreift, die es abzutragen gilt, und nicht als Ehrenrunde. Die Probe ist 2027: ein Hexe mit klarer Identität, ein Invictus, das sich wie Assassin's Creed anfühlt, und ein Jubiläumsjahr, das mehr bietet als ein Logo. Kommt das alles, wird Resynced wie ein kluges Aufwärmen aussehen. Kommt es nicht, wird niemand über das Remake reden, das nie entstand. Man wird fragen, warum die neuen Spiele so viele zweite Chancen brauchten.
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