Borderlands 4 ohne Denuvo: das stille Eingeständnis des Kopierschutzes
Gearbox hat Denuvo über ein Jahr nach dem Start aus Borderlands 4 entfernt. Das sagt viel darüber, wofür DRM wirklich gedacht ist. PC-Spieler sollten Gleiches auch anderswo verlangen.
Foto: 2K / Steam (uso editorial)
Wäre Denuvo unverzichtbar für den Schutz eines Spiels, würde ein Publisher es dann je wieder entfernen? Gearbox hat genau das getan, und nicht einmal eine Ankündigung gemacht. Dieses Schweigen ist der lauteste Teil der Geschichte.
Laut DSOGaming erschien Borderlands 4 im September 2025 für PC, und mit dem Update 1.11 wurde die Anti-Tamper-Technik Denuvo mehr als ein Jahr später entfernt. Die Patchnotes bestehen demselben Medium zufolge überwiegend aus einer langen Liste von Korrekturen bei Audio, Grafik, Menüs und Fotomodus, dazu kommt eine AMD-FSR-Option im Steam-Leistungsmenü für Steam-Deck-Spieler. Dass Denuvo verschwunden ist, haben Spieler bemerkt; Gearbox hat es nicht beworben.
Das Schweigen verrät, wofür das DRM gedacht war
Das Argument liegt im Zeitpunkt. Ein Jahr nach Release ist der Großteil der Verkäufe eines großen Spiels gelaufen. Den Schutz jetzt ohne Pressemitteilung zu entfernen, wirkt wie ein stilles Eingeständnis, dass das DRM nur das Startfenster abdecken sollte. Das ist unsere Interpretation, nicht etwas, das Gearbox gesagt hat. Aber es lässt sich kaum anders lesen.
Ein Reddit-Nutzer aus der Borderlands-4-Community formulierte die zynische Variante unverblümt: Das Spiel sei vermutlich fertig, es gebe keine Inhalte mehr, die sich zu schützen lohnten. Das ist die Vermutung eines Fans, und die Update-Notizen widersprechen ihr, denn sie behandeln bezahlte DLCs wie Loveless the Hacker und Story Pack 2. Dennoch trägt die zugrunde liegende Logik: Lässt der kommerzielle Druck nach, schwindet auch die Rechtfertigung für das DRM.
Die FPS-Angaben verdienen ein Sternchen, keine Parade
Es wird viele Schlagzeilen über „Dutzende zusätzliche Frames“ geben. iXBT.games gibt den Bericht eines Modders wieder, der in 1440p mit mittleren Einstellungen 70 bis 80 FPS misst, wo das Spiel zuvor bei etwa 50 lief. Derselbe Artikel weist aber darauf hin, dass die Notizen zu 1.11 auch Leistungs- und Stabilitätsverbesserungen ohne Details erwähnen. Man kann also nicht allein Denuvo dafür verantwortlich machen. Im Reddit-Thread, den wir gesehen haben, heißt es außerdem, andere Spiele hätten nach der Entfernung nur 1 bis 2 % CPU-Gewinn gezeigt; das ist eine unbelegte Forenbehauptung und mit Vorsicht zu behandeln.
Unsere Sicht: Die genaue Prozentzahl ist weniger wichtig als das Prinzip. Zahlende Kunden sollten sich nicht fragen müssen, ob Software gegen Raubkopierer sie Bilder pro Sekunde kostet. Der Zweifel selbst ist der Preis.
Andere Publisher sind bereits vorangegangen
Gearbox ist kein Pionier. DSOGaming nennt Square Enix und Capcom als Unternehmen, die Denuvo aus vielen PC-Titeln entfernt haben, bei Capcom etwa Resident Evil 4 Remake, bei Square Enix Final Fantasy 16. Gearbox selbst entfernte es im Oktober 2024 aus Homeworld 3. Derselbe Beitrag erwartet nicht, dass 2K Games dem breit folgt, und verweist darauf, dass frühere NBA-2K-Spiele es weiterhin nutzen. Das ist die Prognose eines einzelnen Mediums, aber eine plausible.
Wo stehen wir also? Denuvo scheint wie eine Leihgabe behandelt zu werden: Es ist da, solange die Verkaufskurve steil ist, und wird dann leise zurückgegeben. Stimmt das, wäre die faire Forderung eine Zusage statt einer Überraschung. Publisher sollten vorab sagen, wie lange der Schutz bleibt, und ihn nach einem vernünftigen Zeitplan entfernen. Hinzu kommt der Aspekt der Spieleerhaltung: Ein Spiel, das von einer Anti-Tamper-Schicht abhängt, bleibt langfristig schwerer spielbar, und die Entfernung hilft.
Was Spieler tun sollten
Das ist kein Geschenk, sondern ein Präzedenzfall. Wenn ein Publisher DRM entfernt, sollte man das benennen und beim nächsten nachfragen, warum seine älteren Spiele es noch tragen. Skepsis gegenüber Wunder-Benchmarks ist angebracht; besser auf unabhängige Tests warten, die die Variable isolieren. Und wer überlegt, wann er ein Denuvo-geschütztes Spiel kauft: Die Version, die man ein Jahr später bekommt, kann besser und sauberer sein.
Gearbox hat nichts laut eingeräumt. Das war auch nicht nötig. Der Patch hat gesprochen.
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