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Gamersfera-Redaktion
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Call of Duty führt Koreas Charts an, indem es Korea angreift. Damit sollte man behutsam umgehen

Die nordkoreanische Invasion in Modern Warfare 4 ist in Südkorea ein Hit. Gerade deshalb sollte Activision einen bestehenden Waffenstillstand nicht als bloße Kulisse behandeln.

Veröffentlicht
25. Oktober 2026
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4 min
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Foto: Activision / Steam (uso editorial)

Was sagt es über ein Spiel aus, wenn ausgerechnet das Land, dessen Invasion es sich ausmalt, es an die Spitze seiner Charts bringt? Call of Duty: Modern Warfare 4 erschien am 23. Oktober und steht bereits auf Platz 1 bei Steam, weltweit wie in Südkorea. Die Prämisse ist ein groß angelegter nordkoreanischer Angriff auf den Süden. Das ist unserer Ansicht nach keine kuriose Marketing-Randnotiz, sondern das Aufschlussreichste an der Reihe im Moment.

Was passiert ist, kurz gefasst

Wie BFM berichtet, beginnt die Kampagne mit einer Überraschungsinvasion: Fallschirmjäger und ein Tunnel, mit dem südkoreanische und amerikanische Truppen auf dem falschen Fuß erwischt werden. Die Reaktionen in Südkorea fielen überwiegend positiv aus. Kim Sung-jae, Präsident des Kim-Dae-jung-Friedenszentrums, schrieb jedoch im vergangenen Monat in der Hankyoreh, das Spiel werfe die Frage auf, ob es angemessen sei, die Tragödie des Koreakriegs und den aktuellen Antagonismus zwischen Süd und Nord als Unterhaltung darzustellen.

Entwickelt wurde das Spiel von Infinity Ward. Laut franceinfo ist es ab 18 Jahren freigegeben und enthält das Erhängen eines nordkoreanischen Überläufers sowie mehrere Standgerichts-Hinrichtungen. Außerdem darf man in einer Mission einen neuen nordkoreanischen Machthaber spielen. Demselben Bericht zufolge muss das Spiel den Schaden nach einem schlecht aufgenommenen Modern Warfare III wiedergutmachen.

Realismus ist das Produkt, nicht der Nebeneffekt

Call of Duty hat schon immer Plausibilität verkauft. Die fiktiven osteuropäischen und nahöstlichen Staaten sind verschwunden, der Schauplatz ist nun eine reale Halbinsel, auf der sich, wie BFM anmerkt, die beiden Koreas formal weiterhin im Krieg befinden, weil der Konflikt von 1950 bis 1953 mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag endete. Dort sind rund 28.000 US-Soldaten stationiert. Der Wehrdienst im Süden dauert 18 bis 21 Monate. Viele potenzielle Käufer haben diese Realität unserer Einschätzung nach erlebt oder werden sie erleben.

Das hilft, eine von BFM zitierte südkoreanische Reaktion zu verstehen: So würde es ablaufen, wenn der Norden einmarschierte – Gangwon in unter einer Stunde überrannt, die Verteidigungslinie bis vor die Tore Seouls zurückgedrängt. Das ist nur ein einzelner Kommentar, aber er zeigt die Anziehungskraft. Die Menschen kaufen keine Fantasie. Sie kaufen, so vermuten wir, die Probe für eine Angst, die sie ohnehin in sich tragen. MCE TV beschreibt die Nähe zum aktuellen Weltgeschehen als einen der üblichen Marketinghebel der Reihe. Wir würden weiter gehen: Es ist der Hebel.

Das Unbehagen gehört zum Konzept, und es braucht einen Verantwortlichen

Hier beziehen wir Stellung. Spektakel ist billig, und Call of Duty beherrscht es hervorragend. Franceinfo weist darauf hin, dass Insider Gaming es als beste jemals geschaffene Kampagne bezeichnet und Eurogamer Deutschland es trotz schwachen Drehbuchs einen echten Action-Blockbuster nennt. Ein Test von Best Buy Kanada fand die Geschichte vorhersehbar. Die Sorgfalt ist also offensichtlich nicht ins Schreiben geflossen. Das ist die Sorge.

Eine Fiktion, die sich eine offene geopolitische Wunde borgt, steht in deren Schuld. Nicht durch Zensur und nicht durch eine Entschuldigungstour, sondern schlicht durch handwerkliche Sorgfalt. Wenn die Geschichte des nordkoreanischen Machthabers und die der Zivilisten, die aus einer bombardierten Stadt fliehen, nur Kulisse für das nächste Gefecht sind, lässt sich der Vorwurf, Krieg werde zum Produkt verpackt, kaum entkräften. Räumt die Kampagne ihren südkoreanischen Figuren Platz ein, Menschen zu sein, wie es laut dem Best-Buy-Tester die Gespräche des Trupps mit Park tun, verdient sich das Spiel einen Teil der Freiheit, die es sich nimmt.

Auch der Gegenseite wollen wir gerecht werden. Ein Hit ausgerechnet bei denen, die dem Szenario am stärksten ausgesetzt sind, deutet aus unserer Sicht darauf hin, dass sich viele von ihnen nicht ausgenutzt fühlen. CNN berichtet von gemischten Reaktionen in Seoul, und die Korea JoongAng Daily schreibt, Politiker und zivilgesellschaftliche Gruppen diskutierten darüber. Debatte ist gesund. Ein Spiel, das ein Gespräch über den Waffenstillstand anstößt, schadet nicht automatisch.

Was wir tun würden

Für Spieler: Beurteilen Sie es danach, wie es die menschliche Seite behandelt, nicht nur nach den Schusswechseln. Laut franceinfo ist die Kampagne rund sechs Stunden lang und umfasst 16 Abschnitte; für Nuancen bleibt also wenig Raum, und von einer auf Set Pieces gebauten Reihe würden wir keine Wunder erwarten.

Für Activision und Infinity Ward: Die kommerzielle Lehre ist verlockend, und es wäre falsch, sie als „Echte Ängste verkaufen sich, also wird es dunkler“ zu lesen. Unserer Lesart nach verkaufen sich echte Ängste, wenn das Publikum darauf vertraut, dass das Studio sie nicht als Requisiten behandelt. Dieses Vertrauen sollte man mit Bedacht einsetzen. Das nächste Call of Duty wird vermutlich eine noch aktuellere Schlagzeile wollen, und gerade dann wird ein wenig Zurückhaltung wichtiger sein als eine weitere Explosion.

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