PEGI 16 für Lootboxen war unausweichlich und wird mehr wehtun als jede Geldstrafe
Die rückwirkende PEGI-16-Einstufung für EA Sports FC und Zenless Zone Zero ist überfällig, und ein Hinweis auf der Store-Seite könnte Publisher stärker lenken als jede Geldbuße.
Foto: Electronic Arts / Steam (uso editorial)
Kann eine Zahl auf der Verpackung erreichen, was jahrelanger regulatorischer Druck und nationale Verbote nicht geschafft haben? Wir meinen, die Antwort lautet allmählich: ja. Die Entscheidung von PEGI, Spiele mit Lootboxen ab 16 Jahren einzustufen, ist kein sanfter Stups. Sie sagt den größten Namen des Genres, dass „für alle“ nicht mehr passt – und sie kommt von der Bewertungsstelle der Branche selbst.
Der Stand der Dinge: PEGI hat seine Reform im März 2026 angekündigt, und laut Shattered erhalten Spiele, die ab Juni 2026 eingereicht werden und bezahlte Zufallsgegenstände enthalten, mindestens PEGI 16. Nun erfassen die Regeln auch bereits erschienene Spiele. Die Games Rating Authority, die britische Verwaltungsstelle von PEGI, erklärt, sie wende die aktualisierten Kriterien auf ausgewählte reine Digitalspiele an, die mit 3, 7 oder 12 eingestuft sind und bezahlte Zufallsinhalte enthalten. Wie VGC berichtet, gehören EA Sports FC und Pokémon Go zu den hochgestuften Titeln. Zenless Zone Zero rutscht laut einer deutschen Forenübersicht von 12 auf 16, und EA Sports FC 27 erhält die erste 16 in der Geschichte der FIFA- und EA-FC-Reihe.
Die Rückwirkung macht es erst real
Eine Regel, die nur für neue Einreichungen gilt, kann man aussitzen. Live-Service-Spiele sind der Kern dieses Streits: Sie stehen jahrelang auf den Store-Seiten und sammeln lange nach dem Launch weiter Umsätze ein. Hätte sich PEGI auf Neuerscheinungen beschränkt, hätten die Spiele, die mit Zufallspaketen am meisten verdienen, ihre harmlosen Labels vermutlich unbegrenzt behalten. Das wäre eine Reform mit einem sehr bequemen Schlupfloch gewesen.
Die Neubewertung bereits verkaufter Spiele schließt diese Lücke. Sie zeigt Publishern zudem, dass eine Einstufung kein einmaliger Stempel zum Launch mehr ist, sondern ein fortlaufendes Urteil darüber, wie sich ein Spiel verhält. Wir halten diese Verschiebung für gesund und, ehrlich gesagt, für überfällig.
Publisher fürchten ein Label mehr als eine Geldstrafe
Geldstrafen sind Betriebskosten. Sie kommen meist spät, werden verhandelt und im Quartalsbericht abgerundet. Eine Altersfreigabe ist etwas anderes. Sie steht genau dort, wo Eltern entscheiden, ob sie kaufen, und soll, so verstehen wir es, signalisieren, dass glücksspielartige Elemente nichts für Kinder sind. Shattered weist zudem darauf hin, dass ein Wegfall der Ultimate-Team-Packs bei Electronic Arts angesichts der Einnahmen als unwahrscheinlich gilt. Stimmt das, zahlt EA womöglich lieber den Preis des Labels, als das Produkt zu ändern – zumindest anfangs.
Das ist die interessante Spannung. Eine Welle gestrichener Lootboxen sagen wir nicht voraus. Eher leisere Änderungen: deutlicher sichtbare Wahrscheinlichkeitsangaben, weniger gezielte Ansprache jüngerer Spieler, vielleicht übersichtlichere Systeme für Bezahlwährungen. Das Label macht den billigsten Kompromiss, nämlich dieselbe Mechanik anders zu verpacken, unbequemer als zuvor.
Es gibt auch Hinweise, dass PEGI das als vorbeugende Selbstverteidigung versteht. PC Games berichtete, PEGI habe die Reform als Signal an die Gesetzgeber beschrieben: Die Branche solle zunächst zeigen, dass sie problematisches Design selbst regulieren kann, bevor härtere staatliche Maßnahmen kommen. Unterdessen ermittelt laut Shattered Italiens Wettbewerbsbehörde gegen Activision Blizzard, und die EU arbeitet an einem Digital Fairness Act. Selbstregulierung mit Biss ist das beste Argument der Branche gegen Schärferes.
Die Schwachstellen sind real, und Eltern sollten das Kleingedruckte lesen
Man sollte nicht übertreiben. Die Änderung betrifft PEGI, nicht die deutsche USK, und eine PEGI-16-Einstufung ändert eine USK-Freigabe nicht automatisch. Auch die Abdeckung ist uneinheitlich: Laut der Forenübersicht waren Honkai: Star Rail und Monopoly Go noch nicht betroffen. Eine selektive Neubewertung lädt zu Willkürvorwürfen ein, und PEGI wird konsequent sein müssen, damit die Glaubwürdigkeit hält. Und wie Shattered anmerkt, stützt sich die Altersprüfung von Steam auf ein selbst angegebenes Geburtsdatum – eine Zahl allein ist also kaum ein Sicherheitsnetz.
Fazit
Das ist die Regulierung, die die Branche kommen sah; überraschend ist nur, wie entschieden sie ausfällt. Es ist kein Verbot, und niemand sollte so tun, als hielte eine 16 einen entschlossenen Jugendlichen auf. Aber sie beendet die bequeme Fiktion, ein um bezahlte Zufallspakete herum gebautes Spiel gehöre in dieselbe Kategorie wie ein Kinderrätsel. Unsere Empfehlung an die Publisher: jetzt freiwillig neu gestalten, bevor die nächste Überprüfung die Entscheidung abnimmt. Für Eltern: Altersfreigabe und Hinweis auf Zufallskäufe prüfen und beides als Beginn eines Gesprächs sehen, nicht als dessen Ende.
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