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Gamersfera-Redaktion
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Arkane Lyon: Microsoft behandelt Studios offenbar wie Posten in einer Tabelle

Ein Studio zu schließen, dessen Spiel angeblich fast fertig ist, folgt der Logik der Tabellenkalkulation. Einen Käufer für Marvel's Blade zu suchen, ist der beste Ausweg – aber nur bei offenem Visier.

Veröffentlicht
23. Oktober 2026
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3 min
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Foto: Xbox / sala de prensa (uso editorial)

Was für ein Unternehmen schließt das Team, das sein Spiel Berichten zufolge fast fertiggestellt hat, und bittet dann andere, es beim Fertigstellen zu unterstützen? Diese Frage steht im Raum, wenn es um Arkane Lyon geht – und Microsofts bisherige Antwort ist eine sorgfältig formulierte E-Mail.

Der Stand der Dinge: Laut Frandroids Zusammenfassung der Berichterstattung von Le Monde wurde der Belegschaft am 16. Juli mitgeteilt, dass Microsoft das Studio schließen wolle. Damit sind 217 Arbeitsplätze gefährdet. Die Verhandlungen über den Sozialplan enden am 30. Oktober, die Anhörung des Betriebsrats am 13. November. In seiner E-Mail an Le Monde erklärte Microsoft, man prüfe weiterhin verschiedene Optionen und suche aktiv einen Partner, der die nächste Entwicklungsphase unterstütze und eine Vermarktung des Projekts ermögliche. Die Schließung hat das Unternehmen weder bestätigt noch dementiert. Eine auf Legifrance veröffentlichte Verfahrensvereinbarung nennt dagegen ausdrücklich ein Vorhaben zur vollständigen und endgültigen Einstellung der Geschäftstätigkeit.

Die Tabellenlogik ist die eigentliche Nachricht

Die Gewerkschaften behaupten, Arkane sei gesund und werde gekürzt, um die kurzfristige Rendite zu verbessern. Das ist die Lesart der Gewerkschaften, und Microsofts Stellungnahme geht darauf nicht ein. Doch die Zahlen daneben lassen sich schwer ignorieren: Laut demselben Artikel verbuchte Microsoft im Ende Juni 2026 abgeschlossenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 133,7 Milliarden US-Dollar, 31 % mehr als im Vorjahr. Niemand behauptet, hier kämpfe ein Konzern ums Überleben.

Deshalb halten wir das Bild vom „Posten in der Tabelle“ für treffend. Ein Studio mit 217 Beschäftigten und großer Erfahrung im Immersive-Sim-Genre wird wie eine Kostenstelle behandelt, die sich auf null setzen lässt – offenbar unabhängig davon, wie weit das aktuelle Projekt ist. Die Gewerkschaften sagen, Marvel's Blade sei ziemlich nah am Ende der Produktion. Das ist eine Einschätzung der Gewerkschaften, kein Erscheinungstermin. Dennoch hieß es in einem früheren Bericht, den IGN France zitiert und der The Verge zugeschrieben wird, der Start des Spiels sei intern wegen einer Budgetüberschreitung von Ende 2026 auf Ende 2027 verschoben worden. Beides kann stimmen: Ein Spiel kann spät dran und teuer sein und trotzdem die Fertigstellung wert.

Ein Käufer ist das kleinste Übel – eine stille Suche reicht nicht

Bleiben wir pragmatisch. Nach französischem Recht muss ein Konzern dieser Größe, der einen Standort schließen will, nach einem Käufer suchen. Die Suche ist also keine Großzügigkeit von Microsoft, sondern eine Pflicht. Unserer Ansicht nach ist das beste realistische Ergebnis jetzt, dass das Studio oder zumindest das Spiel bei jemandem landet, der es fertigstellen kann. Eine Einstellung würde Jahre an Arbeit vergeuden, und der Einschätzung der Gewerkschaften, es handle sich um eine monumentale Verschwendung, lässt sich schwer widersprechen.

Aber eine Käufersuche hinter verschlossenen Türen ist eine reine Pflichtübung. Die Gewerkschaften haben gefordert, die Fristen zu verlängern, damit die Gespräche eine bessere Chance auf einen Abschluss haben, und ein Gewerkschaftsvertreter sagt, es würden mehrere Formen der Übernahme geprüft. Ob davon etwas real ist, können wir nicht überprüfen. Genau das ist das Problem. Microsoft sollte öffentlich sagen, mit wem es spricht, was es anbietet und in welchem Zeitrahmen. Geht das geistige Eigentum, eine Marvel-Lizenz, mit dem Studio mit oder bleibt es zurück? Ein Transfer, der das Team ohne das Spiel zurücklässt, ist keine Rettung.

Worauf es ankommt und was zu tun ist

Man sollte nicht zu schnell vom Schlimmsten ausgehen. Eine Einstellung wurde nicht angekündigt, und die Berichterstattung stellt klar, dass es Spekulation ist, Blade für tot zu erklären. Ebenso skeptisch sollte man gegenüber bequemer PR-Sprache sein: „Optionen prüfen“ ist mit einer Rettung ebenso vereinbar wie mit einer schleichenden Beerdigung. Gamekult vermerkt, Fortune habe berichtet, Xbox könnte drei weitere Entlassungswellen durchführen, im Oktober, November und Januar, und ordnet Arkane dem November zu. Das ist eine Prognose, keine Tatsache, aber sie deutet auf den Kalender hin, nach dem Microsoft womöglich arbeitet.

Unser Urteil: Die Frist am 13. November sollte verlängert, die Suche öffentlich geführt und Microsoft sollte sich zu einem Verkauf verpflichten, der das Team zusammenhält, falls einer möglich ist. Tut das Unternehmen es nicht, ist die Botschaft an jeden Entwickler einfach: Ein fertiges Spiel schützt nicht. Für Spieler gibt es wenig zu tun, außer aufmerksam zu bleiben. Beobachten Sie, was nach dem 30. Oktober und dem 13. November geschieht, und seien Sie misstrauisch gegenüber jeder Ankündigung, die ohne Namen daherkommt.

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